Wieder Angriffe auf den Kulturverein w23

Die Anzahl rechtsextremer, rassistischer und antisemitischer Angriffe steigt. Überall. Auch in Wien. 
(Neo-)Faschistische Ideologien haben derzeit Rückenwind und das äußert sich nicht "nur" in Online-Hetze und Kampf- und Kriegsrhetorik in tagespolitischen Auseinandersetzungen. Immer mehr Rechtsextreme und Neonazis nehmen "den Kampf fürs Abendland" in die eigene Hand und schreiten zur Tat. 

Kulturverein w23 erneut Ziel eines Angriffes

Im Herbst feierte der Kulturverein w23 sein zehnjährige Bestehen. In den Räumen des Kulturvereins w23 finden regelmäßig Diskussionsveranstaltungen, Filmabende, Lesungen, Workshops und vieles mehr statt, außerdem gibt es die "Bibliothek von unten" und das "Archiv der sozialen Bewegungen".

Nach einer Vielzahl „kleinerer Vorkommnisse“ wurde am Wochenende des 26./27. November ein schwerer Eisenrollbalken im Eingangsbereich zerstört. Das ist nur durch massiven Kraftaufwand möglich und verdeutlicht die Intention, einen größt- möglichen Schaden zu verursachen.
Um den Hass auf politische Gegner_innen und politisch Andersdenkende noch weiter Ausdruck zu verleihen - oder um sich - wie es in rechten Kreisen oft üblich ist - gegenseitig zu versichern "dass mann Eier in der Hose hat" - wurden auch noch Eier durch den entstandenen Spalt geworfen. Die Schlösser der anderen Rollbalken wurden zudem mit einschlägigen Naziaufklebern versehen und insgesamt ein Sachschaden von mehreren tausend Euro verursacht.

Wir müssen uns wiederholen

Wie schon in einer Stellungnahme im Oktober festgehalten:

Seit ihrer Eröffnung vor zehn Jahren ist die w23 - so wie andere linke Locations und Kulturvereine - immer wieder Ziel von (Neo)Nazis und anderen geworden, die sich durch die bloße Existenz von linken Projekten oder "dem Anderen" bedroht fühlen.

Während es in den ersten Jahren verhältnismäßig ziemlich ruhig war, kam es durch die verstärkten Aktivitäten von Alpen-Donau.info und anderen neonazistischen Gruppierungen zu einer Häufung von Vorkommnissen rund um die Vereinsräumlichkeiten.

Aus den Angriffen auf die Räume wurden dann Angriffe auf Menschen:
In der Nacht vom 25. auf den 26. Oktober 2008 stürmte ein Trupp von zehn maskierten Neonazis die Räumlichkeiten und begann wahllos in die Menge der anwesenden Personen zu prügeln. Dieser geplante Angriff konnte schnell abgewehrt und Schlimmeres verhindert werden. Dennoch gab zwei Leichtverletzte und geringen Sachschaden.

In den letzten Monaten steht der Kulturverein w23 wieder verstärkt im Fokus von Rechtsextremen, Neonazis und Neofaschist_innen.
So wurden immer wieder gezielt Aufkleber einer Neonazi-Hooligan Gruppe geklebt und beispielsweise die Schlösser manipuliert. Im September gab es im Eingangsbereich der w23 - ebenso wie auf die "Anarchistische Buchhandlung" und den "Muslim Lifestyle Shop" - eine Attacke mit Kunstblut. Diesmal wurde mit massivem Kraftaufwand der stabile Metallrollbalken zerstört.

Diese Angriffe und Attacken sind Einschüchterungsversuche. Sie sollen Angst schüren und ihren politischen Gegner_innen das Gefühl der ständigen Bedrohung vermitteln. Sie sind eine logische Folge des autoritären gesellschaftlichen und politischen Klimas. In den letzte Jahren sind die Aktivitäten von neofaschistischen und anderen rechtsextremen Gruppen massiv angestiegen, sie sind selbstbewusster geworden und fühlen sich in einer zunehmend autoritären und rassistischen Gesellschaft sicherer und bestärkt.

Bei all der notwendigen Auseinandersetzung mit Angriffen auf die eigene Infrastruktur, wollen wir eines festhalten: All diese Attacken sind in einem größeren Kontext zu sehen. Wenn rassistische Hetze zur Tagesordnung gehört, Brandanschläge auf Unterkünfte von Geflüchteten immer häufiger und faschistische Kontinuitäten zum "Grundkonsens" einer Gesellschaft werden, fühlen wir uns in der Notwendigkeit unserer Arbeit bestätigt. Wir halten es daher für unerlässlich, den Blick auf die herrschenden Zustände zu richten und sich gegen die rassistische und faschistische Normalisierung generell zu stellen.

Smash Fascism!

P.S.: Alle Vorträge und Diskussionen finden wie geplant statt, die "Bibliothek von unten" und das "Archiv der sozialen Bewegungen" haben wie gewohnt offen.


rechtsextremer Angriff auf die w23 - Schäden

Infoabend zur Solikampagne: “Free the Röszke 11! – Solidarität mit inhaftierten Geflüchteten in Ungarn!"

+++letzter Prozesstag gegen Ahmed H. am 30.11.2016+++

am Samstag, 26. November 2016 um 19.00 Uhr

Im September 2015 schloss Ungarn seine Grenzen für Geflüchtete, die über die sog. Balkanroute reisten. Tausende Menschen strandeten am ungarischen Grenzzaun, Tage voller Proteste und Auseinandersetzungen mit der ungarischen Polizei folgten. Vollkommen willkürlich inhaftierte die ungarische Polizei später 11 Geflüchtete und klagte sie wegen “illegalem Grenzübertritt”, Beteiligung an “Massenausschreitungen” und “Terrorismus” (im Falle von Ahmad H.) an. In den politischen Schauprozessen gegen zehn der Angeklagten wurde bereits im Juli ein Urteil gesprochen. Am 30.11.2016 folgt der finale Prozesstag gegen Ahmad H., dem Terrorismus und Rädelsführerschaft vorgeworfen werden. Ihm drohen bis zu 25 Jahre Haft. Ein grenzüberschreitendes Bündnis fordert die Freilassung der Angeklagten und begleitet die Prozesse und Betroffenen vor Ort.

Aktivist_innen von ’Free the Röszke 11’ informieren über den anstehenden Prozesstag & Mobilisierungen, stellen die transnationale Kampagne vor und zeigen Bild- und Filmmaterial.

Wir bemühen uns um eine zweisprachige Veranstaltung (deutsch/englisch).

Aktuelle Infos zur Kampagne unter http://freetheroszke11.weebly.com/ Der Infoabend auf Facebook zum Teilen und Weiterverbreiten: https://www.facebook.com/events/230893394000322/

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Infotalk about the solidarity campaign “Free the Röszke11 – Solidarity with the imprisoned refugees in Hungary!”

+++Last day of trial against Ahmed H. on November 30th+++

on Saturday, November 26th 2016 at 7pm

In September 2015 Hungary sealed off its border to refugees who arrived via the so-called Balkanroute. Thousands of people stranded at the Hungarian fence; days of protests and conflicts with Hungarian border guards followed. Afterwards the Hungarian police arbitrarily arrested 11 people and sued them for ‘illegal border crossing’, ‘participation in mass riots’ and ‘terrorism’ (in Ahmad H.’s case). 10 of the accused have already been sentenced to prison by political show trials in July. On November 30th there will be the final day of trial against Ahmad H. He might be sentenced to 25 years of prison.

‘Free the Röszke 11’ activists will inform about the ongoing trial & mobilisations & the solidarity campaign and show some photo and video material. We aim at a bilingual event (German & English).

Current information about the solidarity campaign: freetheroszke11.weebly.com/ The event on Facebook for sharing and spreading:facebook.com/events/230893394000322/

Mi., 21.12.2016; 19:00: Intro 03: Religionskritik – Gott ist entweder tot, ein Spaghetti-Monster oder Alanis Morrissete

Die Fähigkeit von Religionen zur Selbstkritik ist, konsequenterweise, stark begrenzt, schließlich gilt es dem Christentum (seit 400 n. Chr.) und anderen, den eigenen Absolutheitsanspruch zu verteidigen. Deshalb muss die Kritik von außen an die Religion herangetragen werden. Die Veranstaltung richtet sich ganz besonders an Einsteiger_innen und wird neben einer Einführung zur Religionskritik bei Marx nicht nur Kritik am Glauben thematisieren, sondern auch die ganz irdischen Auswirkungen von Religion und ihrer weltlichen Vertretungen. Denn: “Wenn es einen Gott gibt – so gehört er abgesetzt” (frei nach Bakunin).

Leider ist die W23 alles andere als barrierefrei - mehr Info hier.

Mi., 14.12.2016; 19:00: Frauen zwischen Bewegungen und Bewegungsfreiheit

Im Jahr 2016 legt die Redaktionsgruppe „Women on Air“ ihren Schwerpunkt der Sendereihe “Globale Dialoge” auf Radio Orange 94.0 auf das Thema „movements | Die Welt in Bewegung“. Damit gemeint sind Frauen in Bewegung – physisch sowie politisch. Wir traten mit (Flüchtlings)Frauen, Frauen in Migration, Frauen in Bewegungen als Akteurinnen in Dialog und hörten ihre Geschichten und welchen Gefahren sie ausgesetzt sind. Darüber hinaus beleuchten wir welche politischen Praktiken Frauen weltweit entwickeln und wie sich Frauen gegen Ungerechtigkeiten zur Wehr setzen. Die Zeitschrift Frauen*solidarität beschäftigt sich in ihrem Schwerpunkt mit der Frage von Bewegungsfreiheit. Wer darf wohin? Wer kann sich frei bewegen? Und wie fordern Frauen ihre Bewegungsfreiheit ein?

CD- und Heftpräsentation von “Women on Air” und “Frauen*solidarität"

Leider ist die W23 alles andere als barrierefrei - mehr Info hier.

Mi., 7.12.2016; 19:00: Die “Verbrechensbekämpfung” der Nazis und ihre Opfer

Am Beispiel von Biografien österreichischer “Berufsverbrecherinnen” wird ein bisher kaum bekannter Teil der Zeitgeschichte erklärt, nämlich wie Kripo und Justiz im NS-Staat versucht haben, eine “Volksgemeinschaft” ohne Kriminalität zu erschaffen: mit “social profiling”, neuartigen Datensammlungen, Überwachung, Razzien, “vorbeugender” Inhaftierung und KZ-Deportation. Und wir wollen diskutieren, was danach geschah: Warum gelten die Betroffenen bis heute nicht offiziell als NS-Opfer, selbst wenn sie in einem KZ interniert waren?

Vortrag & Diskussion, mit Input von Sylvia Köchl, Autorin des Buches “Das Bedürfnis nach gerechter Sühne” – Wege von “Berufsverbrecherinnen” in das Konzentrationslager Ravensbrück (Mandelbaum Verlag 2016)

Leider ist die W23 alles andere als barrierefrei - mehr Info hier.

Statement zu rechtsextremen Angriffen in Wien

Anfang Oktober feierte der Kulturverein w23 sein zehnjähriges Bestehen. In den Räumlichkeiten finden regelmäßig Diskussionsveranstaltungen, Filmabende, Lesungen, Workshops und vieles mehr statt, außerdem gibt es eine Bibliothek von unten und ein Archiv der sozialen Bewegungen. 

Im Laufe des Bestehens kam es - wie bei anderen linken Locations auch - immer wieder zu Störungen durch (Neo)Nazis und andere, die sich durch die bloße Existenz von linken Projekten oder "dem Anderen" bedroht fühlen.

Dabei ist klar zu beobachten: je stärker der gesellschaftliche Rückenwind für rassistische und faschistische Ideologien, desto sicherer fühlen sich diverse Neonazi-Gruppen, denen die Online-Hetze irgendwann nicht mehr ausreicht und die stattdessen direkt zur Tat schreiten.

Während es in den ersten Jahren ziemlich ruhig war, kam es mit den verstärkten Aktivitäten von Alpen-Donau und anderen neonazistischen Gruppierungen zu einer Häufung von Vorkommnissen rund um die Räumlichkeiten.

Erst waren es gelegentlich Nazi-Schmierereien (z.B.: das Logo von "Der Funke" - im Naheverhältnis der jetzigen Identitären anzusiedeln), Manipulationen der Schlösser, dann wurde versucht die Räume "auszukundschaften".

Aus den Angriffen gegen die Räume wurden dann Angriffe gegen Menschen:
In der Nacht vom 25. auf den 26. Oktober 2008 stürmte ein Trupp von zehn maskierten Neonazis die Räumlichkeiten und begann wahllos in die Menge der anwesenden Personen zu prügeln. Dieser geplante Angriff konnte schnell abgewehrt und Schlimmeres verhindert werden. Es gab zwei Leichtverletzte und geringen Sachschaden.

Im letzten Jahr kommt es wieder gehäufter zu Sachbeschädigungen bei den Räumen der w23. Wieder sind es Schmierereien, Manipulationen der Schlösser und vor ein paar Wochen dann eine Attacke mit Kunstblut, welches an die Wand und Eingangstür der w23 geschüttet wurde. Ein Zettel mit der Aufschrift "Österreich blutet auch durch eure Schuld" wurde hinterlassen.
Weitere Angriffe mit Kunstblut gab es jetzt auf die "Anarchistische Buchhandlung" sowie den "Muslim Lifestyle Shop" in Wien.

Diese Angriffe und Attacken sind Einschüchterungsversuche. Sie sollen Angst schüren und das Gefühl der ständigen Bedrohung vermitteln. Sie sind eine logische Folge des autoritären Klimas. In den letzte Jahren sind die Aktivitäten von neofaschistischen und anderen rechtsextremen Gruppen massiv angestiegen, sie fühlen sich in einer zunehmend autoritären und rassistischen Gesellschaft sicherer und bestärkt.

Bestätigung in dieser Annahme finden sie auch in der Umgangsweise der Behörden: Angriffe mit Totschläger und Gürtel auf Antifaschist_innen -> eingestellt. Geplanter Überfall auf Gewerkschaftsveranstaltung durch Neonazi-Hooligans -> u.a. Verurteilung von Betroffenen. Und bei eindeutig rassistischen Anschlägen wird von den Behörden mit dem Hinweis, dass "in alle Richtungen ermittelt" wird, verharmlost.

Bei all der notwendigen Auseinandersetzung mit Angriffen auf die eigene Infrastruktur, wollen wir eines festhalten: All diese Attacken sind in einem größeren Kontext zu sehen. Insofern halten wir es für prioritär, den Blick auf die herrschenden Zustände zu richten und sich gegen die rassistische und faschistische Normalisierung generell zu stellen.

Mi. 9.11.; 19:00: Filmabend

Wir wollen gemeinsam einen israelischen Dokumentarfilm anschauen. Der Film begleitet einen Shoah-Überlebenden und seine Kinder bei einer Reise zu verschiedenen Konzentrationslagern, in denen er interniert war. Geprägt von schwarzem Humor und Schmerz thematisiert der Film nicht nur die Erfahrungen des Überlebenden sondern vor allem auch die Verhandlung der Traumata innerhalb der Familie. Film (2008), 65 Min.